2001-03-20: BikersŽ
Project: 50% weniger Motorradunfälle realistisch!
Nach der katastrophalen Motorradunfallbilanz 2000 mit 112 Unfalltoten
starten nun engagierte Motorradfahrer gemeinsam mit Sicherheitsexperten
die unabhängige Initiative "BikersŽ Project". Das Team hat
sich das nicht unbescheidene Ziel gesetzt, tatkräftig dabei
mitzuwirken, die Unfallzahlen der Biker innerhalb der nächsten drei
Jahre auf die Hälfte zu senken. Die Initiative wird vom BM für
Verkehr, Innovation & Technologie über den Österreichischen
Verkehrssicherheitsfonds, den Bundesländern NÖ, OÖ und Stmk. sowie
Privatsponsoren gefördert und baut auf den Erkenntnissen einer
umfassenden Motorradfahrerbefragung auf.
Im Vordergrund der Sicherheitsinitiative stehen die Verhaltensänderung
durch effektive Bewusstseinsbildung sowie die Entschärfung von
Gefahrenstellen. Es wird also genau dort angesetzt, wo mit der höchsten
Effektivität gerechnet werden kann, ohne die Lust am Biken in Frage zu
stellen. Alle Projektmitarbeiter sind schließlich selbst Biker.
Der BikersŽ Project Koordinator Mag. Michael Praschl zeigt sich
optimistisch: "Wir halten eine drastische Senkung der Zahl der
Motorradunfälle für durchaus realistisch, da - trotz stark steigender
Zulassungszahlen - einige Trends zu erkennen sind, die Hoffnung
aufkommen lassen:
a) Motorradfahren wird immer mehr zu einer Angelegenheit des
"Normalbürgers" und verliert sein Randgruppenimage. Die
Nutzung des Motorrades als reines Individualverkehrsmittel nimmt immer
mehr zu. Die Mehrheit der vernünftigen Biker will sich das Image durch
die höchstens 10% Raser nicht ruinieren lassen. Extreme Schnellfahrer
ziehen sich zunehmend auf Renn- bzw. Rundstrecken zurück. Niemand hat
etwas gegen Motorsportler auf solchen Strecken abseits des öffentlichen
Verkehrs.
b) Die strikte Trennung zwischen Rundstrecke (sportliches,
wettbewerbsorientiertes Fahren) und Straße (genußvolles, risikoarmes
Fahren) wird sich weiter etablieren. Hier sind auch die Motorradfirmen
und -zeitschriften aufgerufen, diesen Trend zu verstärken.
Gabi Kirner, Veranstalterin von Sicherheitstrainings auf Rundstrecken,
bestätigt diesen Trend: "Immer mehr Biker bringen ihr Motorrad mit
dem Anhänger zur Rundstrecke und fahren entweder gar nicht mehr auf öffentlichen
Straßen oder z.B. mit einem gemütlicheren Naked Bike."
c) Die Polizei, die Kraftfahrerclubs, die Motorradhersteller und -händler
("Warm up Trainings"), die Stadt Wien (Aktion "Bike
2001") und die Motorradorganisationen selbst ( MAG
Fahrsicherheitstraining ) engagieren sich zunehmend für Sicherheit
und bieten Fahrtrainings mit Blick- Kurven- und Fahrlinientechnik,
Gefahrenlehre und Bewusstseinsbildung an. Die ebenfalls vom BM f.
Verkehr, Innovation & Technologie geförderte Trainingsaktion für Führerscheinneulinge
"Road Experts" wird nun verstärkt auch für Motorradfahrer
angeboten.
d) Die Straßeninfrastruktur wird - langsam aber doch - besser an die
Situation der Motorradfahrer angepasst. Ing. Edwin Hofbauer von der MAG
(Motorrad Aktions Gruppe Austria): "Einrichtungen, die für
mehrspurige Fahrzeuge lebensrettend sein können, wirken sich auf viele
der mittlerweile 300.000 Motorradfahrer genau gegenteilig aus. Wir gehen
z.B. davon aus, dass viele Motorradtote auf Kollisionen mit
scharfkantigen Leitplankenstehern zurückzuführen sind. Die Lösungen
dazu sind bekannt und bewährt, nun muss die großräumige Umsetzung
erfolgen."
"Wenn alle engagierten Personen, Firmen, Organisationen und
Medien zusammenwirken, ist die Zielsetzung einer Reduktion der schweren
Motorradunfälle um 50% innerhalb der nächsten 3 Jahre durchaus
machbar," meint Praschl optimistisch.
Nähere Informationen:
BikersŽ Project
Homepage
Kontakte (BikersŽ Project):